Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers e.V. 1990 - Macht Kohle - 2019
Knappschaft des
Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers e.V.

Johannes Rolf Vogel

Verdienste

2014 wurde Rolf Vogel vom Staatsministerium für Wissenschaft und Kultur für seine ehrenamtliche Arbeit ausgezeichnet.

Zur Wende stand das Bergbaumuseum auf der Kippe. Es musste aber irendwie weitergehen. Das war der Grund, den Verein zu gründen.

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Rolf Vogel ist der Autor des 1994 erschienen Buches Das Lugau-Oelsnitzer Steinkohlerevier, welches Sie auch gern hier erwerben können.
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Freie Presse vom 29.9.2014

Zum Tode von Bergmeister Rolf Vogel - "Einmal Bergmann, immer Bergmann!"

Und haben wir die letzte Schicht verfahren
Tief in der Erde finsterm Grab,
So folgt uns, die wir treue Männer waren,
Der letzte Abschiedsgruß hinab.
Das Glöcklein schweigt,
Es lischt das helle Grubenlicht!
Das Glöcklein schweigt,
es ist vollbracht die letzte Schicht;
Noch einmal tönt als Wunsch zum sanften Schlummer,
Das Bruderwort: Glückauf! Glückauf!

Mit Bestürzung und tiefempfundener Trauer mußte uns die Nachricht erfüllen, daß unser Bergkamerad, Bergmeister Rolf Vogel am 8. Februar 2017 zur letzten Schicht anfuhr. Als Gründer stand er mehr als eineinhalb Jahrzehnte dem Verein der Freunde und Förderer unseres Bergbaumuseums Oelsnitz/Erzgebirge, der heutigen Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers vor und war nicht nur entscheidende, richtungsweisende und ideengebende Kraft einer erfolgreichen Entwicklung unserer bergmännischen Gemeinschaft, sondern immer auch getreuer Begleiter, sachverständiger Berater und beistehender Unterstützer des Bergbaumuseums.

Der Weg in bergmännisches Leben und Werken indessen war ihm nicht vorbestimmt. Sein Grubenlicht flammte ihm auf, da sich der am 27. August 1922 in eine Chemnitzer Arbeiterfamilie geborene nach den bitteren Erfahrungen des Krieges mitten im gesellschaftlichen wie persönlichen Neuanfang 1945 als Bergarbeiter auf dem Steinkohlenwerk Deutschland in Oelsnitz anlegen ließ. Durch die spürbare Abgrenzung der sowjetischen Besatzungszone innerhalb Deutschlands erlangten die sächsischen Steinkohlenlagerstätten wesentliche wirtschaftliche Bedeutung. Der Bergbau bot Nahrung und Kleidung – für ihn aber sollten das Brot der Industrie zur entscheidenden Wegzehrung, der Grubenkittel zum Standeszeichen seiner Entwicklung werden. Denn nicht nur Arbeitskräfte wurden benötigt: gut ausgebildetes Leitungspersonal war für die effektive Gewinnung der Bodenschätze erforderlich. Seine Möglichkeiten erkennend, nahm Rolf Vogel 1946 ein Studium an der Bergakademie Freiberg auf, das er 1951 mit dem Diplom als Bergingenieur abschloß. Um seine Kenntnisse zu vervollständigen, praktizierte er während dieser Jahre im Braunkohlenwerk „Dora-Helena“ in Borna, im Kaliwerk Staßfurt, in der Bleierzgrube „Albert-Funk“ in Freiberg und nicht zuletzt beim VEB Steinkohlenwerk Deutschland in Oelsnitz.

Seine bergmännische Leitungstätigkeit jedoch begann in Zwickau. Im VEB Steinkohlenwerk Martin-Hoop zunächst als Steiger tätig, übernahm er 1952 die Technologische Abteilung und ein Jahr später die Abteilung Planung.

Schließlich wurde sein eigentlicher Wirkungskreis das erzgebirgische Oelsnitz, in das er 1955 als Stellvertreter des Technischen Direktors des VEB Steinkohlenwerk Karl-Liebknecht zurückkehrte. Nach nur wenigen Monaten übertrug man ihm auf Grund seiner hervorragenden Kenntnisse die Funktion des Technischen Direktors. In seinen Verantwortungsbereich fiel die Neuausrichtung des Grubenbetriebes durch weitere Mechanisierung und Automatisierung, begründet in der volkswirtschaftlich nötigen Steigerung der Ausbeute bei schwindendem Kohlenvermögen und erschwerten geologischen Verhältnissen. Zugleich galt es, die Zusammenlegung der beiden Oelsnitzer Steinkohlenwerke unter optimaler Ausnutzung der vorhandenen Anlagen zu bewerkstelligen. Welche umfangreichen Arbeiten, welche Leistungen hinter diesen wenigen Aussagen stehen, läßt sich nur erahnen.

Die Berufung zum Leiter der Abteilung Produktion und Technik der VVB Steinkohle in Zwickau im Frühjahr 1962 unterbrach den erfolgreich eingeschlagenen Weg in Oelsnitz nur kurz, nahm er doch schon im Sommer 1963 als Werkdirektor des VEB Steinkohlenwerk Oelsnitz (Erzgeb.) die Geschicke erst recht in seine Hände. Auch wenn sich das Werk unter den gegebenen Umständen gut entwickelte, sah sich Rolf Vogel bereits vor einen neuerlichen Wandel gestellt, denn der Bergbau um Lugau-Oelsnitz ging durch Erschöpfung der Lagerstätte seinem Ende entgegen. Der 1967 gefaßte Ministerratsbeschluß zur planmäßigen Einstellung des Steinkohlenbergbaues in der DDR war die logische Konsequenz. Damit aber schied der Industriezweig aus dem Wirtschaftsleben der Region, der sie im eigentlichen Sinne geschaffen, auf den sie beinahe ausschließlich ausgerichtet war.

Nur durch die Bereitung des Bodens, dessen unterirdische Schätze versiegten, konnte und mußte im Bewußtsein der gesellschaftspolitischen Verpflichtung neues, ertragreiches Wachstum gelingen. Rolf Vogel war ausersehen, diesen entscheidenden und schwierigen Schritt mit seinerzeit weitreichender Bedeutung für die Zukunft des in seiner Funktion gefährdeten Arbeits- und Lebensraumes an verantwortungsvoller Stelle mitzugehen.

1965 erst war ihm der Ehrentitel „Verdienter Bergmann“ verliehen worden – wem anders hätte er gebühren mögen? Nun wirkten die ihm innewohnenden Eigenschaften weiter, die man in ehrfurchtsvoller, von Generationen getragener Verständigkeit dem Steiger, dem Vorgesetzten zumaß: Verstand, Fleiß, Ordnung, Fürsorge – kurzum Pflichtbewußtsein, aber auch Zuversicht und Hingabe an die Profession.

Innerhalb weniger Jahre gelang es ihm ab 1970 als Betriebsteildirektor des Karl-Liebknecht-Werkes Oelsnitz im Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt des Kombinates Zentronik, einen Zulieferbetrieb zum eigenständigen Finalproduzenten zu führen. Damit ging nicht nur die Existenzsicherung für die mühevoll umqualifizierten Bergarbeiter einher. Es wurde ein Weg beschritten, der Grundlagen für die zukünftige Entwicklung der Stadt Oelsnitz und ihrer Umgebung, mehr noch der individuellen Entfaltung der angesiedelten Menschen schuf, ihnen echte Perspektiven bot. Eine im besten Wortsinne Großtat, die noch heute ihresgleichen sucht.

Mit dem Übertritt in den Ruhestand 1988 widmete er sich verstärkt der Geschichte, aber auch der Reflektion einer Entwicklung, die er selbst mitgetragen und mitbestimmt hatte. Das als identitätsstiftende Erinnerungsstätte des sächsischen Steinkohlenbergbaus entstandene Bergbaumuseum gab seiner einstigen Wirkungsstätte eine neue Bedeutung – und neue Aufgaben. Bahnte sich doch mit der Wiedervereinigung ein tiefgreifender Wandel an, der in der Suche nach Kontinuität und Fortsetzung des Erreichten wieder Ausgangspunkt eines Neubeginns werden sollte. Aus der Sorge um den Erhalt der Einrichtung und zur Bewahrung und Weitergabe der Bergbautraditionen des hiesigen Reviers ergriff Rolf Vogel 1990 die Initiative und scharte ehemalige Weggefährten, einstige Bergarbeiter und Interessierte gleichermaßen um sich zur Gründung des Vereins der Freunde und Förderer des Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge. Auch hier hat er in seiner bekannt sachlichen und weitblickenden Arbeits- und Vorgehensweise das rechte Maß einer sinnvollen Brauchtumspflege sowie der ideellen wie materiellen Unterstützung des Museums gefunden. Es sei nur auf das 1992 verfaßte Standardwerk zum Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenbergbau, den kontinuierlichen Aufbau des Bergbaulehrpfades und die Organisation sowie Teilnahme an unzähligen Bergaufzügen und -paraden mit der dazu aufgebauten Gruppe der Habitträger als bundesweit wirksame Öffentlichkeitsarbeit für das Museum verwiesen.

In den mehr als anderthalb Jahrzehnten seines Wirkens als Vorsitzender und seit 2006 als Ehrenvorsitzender prägte Rolf Vogel mit sehr viel Engagement und großem zeitlichen Aufwand einen Verein, der aktiv auf dem Gebiet der Geschichtsaufarbeitung und -vermittlung tätig ist, das Museum in vielfältiger Weise unterstützt und deutschlandweit als Traditionsverband bekannt ist. Befördernd war seine Arbeit in den Vorständen des Landes- und Bundesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine. Was er dem Museum, dem Verein und den Verbänden durch seine reichen Erfahrungen, Erkenntnisse und Erlebnisse an entscheidender Stelle als unverzichtbarer Zeitzeuge und sachverständiger Berater, als unermüdlich Schaffender und kluger Ideengeber gewesen ist, verdient besonderer Würdigung, wenn er es auch – wie ein ganzes Leben lang – als Selbstverständlichkeit begriff.

Die Auszeichnung für Verdienste im Ehrenamt durch den Landkreis Stollberg, die goldene Ehrenmedaille des Bundes Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine, die Ernennung zum Bergmeister des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine, der Eintrag ins Ehrenbuch der Stadt Oelsnitz und noch 2014 die Auszeichnung durch das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst für verdienstvolle ehrenamtliche Arbeit zur Förderung des sächsischen Museumswesens können kaum das Geleistete auch auf diesem Gebiet widerspiegeln.

Im Mittelpunkt seines von Willenskraft, Beharrlichkeit und Konsequenz, aber auch Besonnenheit, Ruhe und Vernunft geprägten Wirkens standen der Mensch und die Sache. Überzeugt von den übertragenen und selbst gewählten Aufgaben, bot ihm die einmal erkannte Bestimmung die Gewähr, außerordentliche Leistungen anzustreben und zu vollbringen. Zugleich aber besaß er die entscheidende Gabe, andere Menschen zu überzeugen, zu bewegen und vorwärtszubringen, zu fordern und zu fördern, sie einzubeziehen und mit ihnen gemeinsam zu arbeiten. Er war dazu berufen, in Zeiten des Wandels tätig zu werden. Nach und nach in verantwortliche Positionen hineinwachsend, die Rolf Vogel die aktive Mitarbeit und sorgsame, wohlüberlegte Mitgestaltung der ihm anvertrauten Bereiche ermöglichten, sah er sich immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt, die es zum größtmöglichen Nutzen zu bewältigen galt. Immer wirkte er dabei in zurückhaltender Bescheidenheit, nie war es ihm um Anerkennung und lautes Lob bestellt. Sein Handeln gebot natürlichen Respekt. Auch deshalb erwarb er sich über viele Jahrzehnte bedeutende Verdienste um das einstige Zwickau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier und darüber hinaus.

Daß sein Werden und Wollen, sein Wägen und Wirken – darin er stark war - in seinen letzten Lebensjahren durch entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft in Museum und Knappschaft gleichermaßen jene fortwirkende Ehrung erfuhr, mag sein Herz und seinen Geist beruhigt, ihn in seinem Lebenswerk bestätigt haben.

Gelingt es uns, die Flamme weiterzutragen, die er aus dem langsam verlöschenden Glutbett der Schwarzen Diamanten neu anfachte, so erfüllen wir sein Vermächtnis: die lodernden Kräfte im Feuer unseres gewachsenen Selbstverständnisses dieses einstigen Kohlengebietes mit unserem Lebensatem zu nähren, Asche und Schlacken aber auszublasen.

Ist darum das einst entzündete Grubenlicht verloschen? Nein.

Wollen wir also das vermeintlich niedergebrannte Geleucht ebenso behutsam vom Riemen nehmen und heimtragen, wie es einst der Heimatdichter Walter Fröbe in tiefempfundener Verneigung vor ebensolchem Menschen tat, der die Lebenskraft eines Zeitalters nicht in seiner Ernte, sondern in seiner Aussaat bemaß, daß die Kommenden die Schätze eines bereiteten Bodens heben: „Und seltsam Ding geschah: Die Blende ward … angebrannt, der Lichtschein schickte seine warmen Strahlen aus. Was vergangen schien, nahm wiederum Gestalt an, was tot schien, wurde lebendig … und wie alles Vätererbe segnete es den, der es ehrfürchtig bewahrte.“


Heino Neuber im Namen der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers e.V.