Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers e.V. 1990 - Macht Kohle - 2019
Knappschaft des
Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers e.V.

Glück Auf und Herzlich Willkommen

Spendenaufruf Geleuchtsammlung / Verein

Ein Bergkamerad auf Pilgerfahrt

Unser Knappschaftsmitglied und Bergkamerad Joe Jacob hat sich aufgemacht eine Pilgerfahrt auf dem Jakobsweg von Zwickau nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens zu unternehmen.
Diese über 3000km auf den eigenen Füßen wird Joe hier in regelmäßig unregelmäßigen Abständen dokumentieren.

Mit dem Segen der Knappschaft soll es Joe Freude und Entbehrung - Läuterung und Erleuchtung auf seinem Wege bringen.

Abschied aus Frankreich - 5. Eintrag vom 30.09.2019

Liebe Leserinnen und Leser, heute habe ich die spanische Grenze überschritten und es sind nur noch etwa 900km bis Santiano de Compostela, während ich bereits über 3 Monate unterwegs bin. Wie verliefen die letzten Tage seit meinem letzten Bericht?

Während ich weiterhin nur noch draußen schlafe, bzw. auch in Kirchen und Kapellen, begegnete ich immer wieder bestimmten Personen, welche im selben Tempo wie ich unterwegs sind. Diese haben den Weg zumeist bereits abgebrochen. Jene, die den ganzen Weg gehen, wählen in der Regel den alten Hauptweg, den Camino Frances und in Saint Jean Piet de Port trennten sich unsere Wege. Doch im Geiste und im Herzen geht meine liebe Gefährtin den Weg mit mir gemeinsam. Dazu möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen.

Es ist noch keine Woche seit unserem Abschied vergangen, da schreibt sie mir: "Poste rasante" für dich - sie hat mir einen Brief an die Post in Saint Jean Piet de Port geschickt. Von zu Hause erwarte ich dort bereits eine Sendung, denn pünktlich vor den Pyrenäen brauche ich meinen warmen Daunen-Schlafsack und ein paar Sachen mehr. Nun bin ich also in einer ganz neuen Situation, denn ich muss schnell ein Ziel erreichen. Leider setzen mir vier oder fünf Blasen an den Füßen ganz schön zu.

Nach einer Nacht unter einer knorrigen Eiche, die mich mit ihren Eicheln nicht traf, erblicke ich das gewaltige Gebirge schon von weitem und bin sehr beeindruckt. Vier Tage sind noch zu laufen und ich werde dabei immer schneller. Freitagabend in Saint Jean P.d.P. ankommend suche ich bei der Zitadelle einen Platz zum schlafen. Die dortige Brücke bietet ein optimales Versteck. Bisher habe ich noch nie unter einer Brücke geschlafen, doch diese soll es sein: keine Scherben und kein unangenehmer Geruch. In der Nacht finde ich dennoch keinen Schlaf. Die Fledermäuse kreisen über mir und schützen mich vor Mücken, aber in meinem Kopf wachsen neue Pläne für die Zukunft. Auch die Ungewissheit über meine Post beschäftigt mich. Was hat sie mir geschrieben? Und kommen meine lebenswichtigen Pakete an?

Zeitig stehe ich auf. Es ist kalt und das Einpacken in Windeseile erledigt. Erstes Ziel ist das Pilgerbüro. Das tägliche Tampon wartet bereits auf mich. Bis auf das Pilgerbüro hat noch kein Laden und vor allem keine Post geöffnet. Ich treffe ein und lade erst einmal mein Handy auf. Währenddessen beobachte ich die eintreffenden Pilger. Für die meisten beginnt die Reise hier. Sie kaufen sich ihre Credential für die Stempel, die hier immernoch "la tampon" heißen für nur 2 Euro (andernorts wollte man mehr als 7 dafür!). Woher kommen nun all diese Pilger? Wie ich mitbekomme, sind unter ihnen Kanadier, Australier, Koreaner und Berliner. Letztere gehen in zwei Wochen nur 200 Kilometer. Am Tag zuvor habe ich bereits zwei Pariser getroffen, die ab Le Puy 25 Tage länger als ich gelaufen sind und das waren keine Alten. Andere, die ich getroffen habe, schaffen es dagegen nicht, weniger als 40 Kilometer am Tag zu laufen, obwohl sie langsamer laufen wollen. Sehr unterschiedlich sind die Menschen also.

Nun aber ab zur Post! "Zwei Packte und einen Brief bitte. - poste restante". Oh, es gibt nur ein Paket. Ich kann jetzt schon sehen, dass es nicht das Paket mit dem Schlafsack ist. Eine Welt bricht für mich in diesem Moment zusammen. Welch Enttäuschung.

Aber es muss weiter gehen. Den Brief und die Sachen bringe ich in meinem Rucksack unter und mache mich auf den Weg zum Sportgeschäft. Will ich danach wieder etwas heim schicken, muss ich mich beeilen. In letzter Minute schaffe ich es schließlich, einen neuen Schlafsack für kältere Nächte zu kaufen und fast 2 Kilogramm anderes Gepäck heim zu senden.

All' mein Gram über die unnötigen hohen Ausgaben verflog bald darauf sehr schnell. An einem ruhigen Ort halte ich Mittagspause und öffne den Brief. Welch Überraschung! Es ist kein gewöhnlicher Brief, sondern eine Zeichnung mit lieben Worten. Zu sehen ist eine Statue des "Saint Jaques". Es wären Hintergrundinformstionen nötig, um die gänzliche Bedeutung dieses Briefes zu erklären und genau das macht ihn so kostbar für mich. Dieser Jaques ist jedenfalls für meine Sammlung, denn ich suche in jeder Kirche und überall nach Abbildern jenes Apostels.

Bemerkenswert im Zusammenhang meiner inneren Reise ist nun die Tatsache, dass ich am liebsten bei dieser wundervollen Frau geblieben wäre, mich in topgraphischer Hinsicht jedoch ungebremst weiter von ihr entferne. Aber während ich dies schreibe, weiß ich: es muss so sein. Der Weg muss gegangen werden, unter welchen Umständen auch immer.

Ich folge also dem GR10 (Grande Randonnée 10), jenem Fernwanderweg, der vom Atlantik bis zum Mittelmeer durch die französischen Pyrenäen führt, hinauf auf über 1000 Höhenmeter. Saint Jean P.d.P. liegt nur auf etwa 170 Metern. Der Weg ist an dieser Stelle ist extrem steil und verlangt mir meine ganze Kraft ab. Ich halte mich für total verrückt, als ich oben ankomme. Ohne den schweren Rucksack wäre es anstrengend genug gewesen.

Aus der Ferne ist eine kleine Kapelle zu erkennen, die auf einer Bergspitze liegt. Dort kann ich vielleicht schlafen. Am Fuße dieses Berges angekommen finde ich Trinkwasser vor. Ich fülle meine Vorräte auf und bewältigen einen weiteren mühevollen Aufstieg. Die Aussicht ist grandios. Leider ist die Kapelle zu einer Seite hin offen und der Wind bläst eisig dort hinein. In dieser Nacht werde ich den neuen Schlafsack erproben.

Aus Gewohnheit oder Vorsicht ziehe ich dickere Socken, lange Funktionsunterwäsche, Leggings und eine Fleecejacke an. Bald schon bemerke ich, wie warm es im Schlafsack ist und ziehe alles wieder aus. Guter Kauf! Am Morgen ist trotz der Überdachung alles nass, denn ich wache inmitten einer dicken Wolkenmasse auf. Ich lasse mir beim Frühstück Zeit, bis sich vor meinen Augen die Berge zeigen. Es ist eine großartige Aussicht mit den kleiner werdenden Wolken im Tal.

Auf dem Abstieg sehe ich einen Jäger. Er fährt in seinem Jeep auf dem Wanderweg, hält an und stellt sich mit seiner Flinte vor das Auto. Ich frage mich, wie sicher ich in dieser Gegend bin. Unterwegs sehe ich ab und zu Schrotpatronen liegen. Aber das ist in Frankreich nichts Neues. In einer Nacht hörte ich immer wieder Schüsse, was ich bei hiesigen Jagdmethoden unheimlich fand. Mir wurde erzählt, Jäger seien oft betrunken.

Während ich diesen Text beende, liege ich vor einer spanischen Einsiedelei im Schlafsack und wage mich nicht so recht hinaus in die Kälte. In Spanien ist vieles anders, aber davon will ich später berichten. Mein Herz hängt nun sehr an Frankreich. Ich liebe die großen Flüsse, die vielen Kanäle, die Wälder, die dünne Besiedlung und vieles mehr. Den Tag, an dem ich meine Gefährtin wieder sehe, sehne ich mir oft herbei. Dies wird dann vielleicht in Portugal sein.

Freut euch also auf neue Berichte!



Zentralmassiv - Südfrankreich - 4. Eintrag vom 27.08.2019

Liebe Leserinnen und Leser, in den letzten Tagen, Wochen und Monaten habe ich so viel erlebt, dass ich kaum noch Worte dafür finden kann. Mit bleibt nichts anders übrig, als einen Zeitabschnitt ins Blickfeld zu rücken und zwar den jüngsten. Ich schreibe euch auf einer Höhe von 70 Metern über dem Meeresspiegel im Tal der Garonne. Plötzlich will man vor Hitze kaum noch schlafen. Vor wenigen Tagen stand ich dagegen im Zentralmassiv beinahe 1400 höher und frohr in den Nächten.

Beginnen wir in Le Puy en Valley, jener Stadt, welche beeindruckende Vulkanstümpfe, auf welchen etwa eine Kirche und eine gewaltige Nortre Dame gebaut wurden, umgibt. Ich komme kurz vor zehn Uhr an und Gewitter ist gemeldet. Die Stümpfe sind beleuchtet. Es sieht aus, wie im Märchen. In der Stadt ist ausgerechnet jetzt ein Fest mit Lichtinstallationen. So vergeude ich wertvolle Zeit, bis ich die Pilgerherberge finde, von welcher mir in einer Touristeninfo 14 km zuvor erzählt wurde. Die Frau dort (übrigens eine Deutsche) hatte angerufen und es war noch ein Platz frei gewesen. Ob dieser jetzt noch zu haben ist? Im Innenhof der Herberge sitzt ein Mann und raucht. Ich soll reingehen und fragen. Der Betreiber will mich nicht mehr aufnehem. Es sei zu spät und störe die anderen Gäste. Kurz gesagt: es mussten zwei andere Pilger lange auf ihn einreden, bis er nachgab und ich einen Platz erhielt. Es war warm und stickig, aber sicher vor dem Gewitter.

Noch vor 6 Uhr stehe ich am nächsten Tag auf und packe alles zusammen. Unten gibt es das typische französische Frühstück: Baguette mit Konfitüre und Joghurt. Dazu noch Kaffee in einer großen Schüssel. Um 7 Uhr beginnt die heilige Messe. Der Bischof scheint lustig drauf zu sein, denn viele kichern gelegentlich. Ich verstehe nichts. Auch wenn ich nicht an der Eucharistie teilnehmen kann, so erhalte ich doch den Segen für meine Reise.

Schwierige und steile Wege führen die große Pilgerzahl immer weiter hinauf ins Gebirge. Bald sitze ich im Schatten eines Baumes und lade eine Applikation zum Lesen der Bibel herunter. Ich weiß, dass die Bibel unsere Kultur maßgeblich beeinflusst hat und sollte nicht nur das neue sondern endlich auch das alte Testament vollständig lesen. Daran bin ich vor Jahren beim 2. Buch Mose gescheitert.

Dass ich mit einem mal nicht mehr der einzige Pilger bin, sondern mich unzählige Mitläufer umgeben, verwirrt mich ein wenig. Bin ich jetzt nur noch einer von vielen? Immerhin laufe ich doch den ganzen Weg... Auf große Gastfreundschaft hoffe ich jetzt jedenfalls nicht mehr. Folglich schlafe ich draußen und ernähre mich im Supermarkt - wenn denn einer zu finden ist. Erschreckenderweise sind die Läden auf dem französischen Lande montags geschlossen und sonntags haben sie nur bis mittags geöffnet. So suche ich mir am Samstag einen Platz nahe dem nächsten Laden. Es ist ein steinernes Gewölbe in der Nähe einer Kirche. Diese Kirche war einst Teil einer Burg hoch über dem Handelsweg im Tal. Pilger haben hier schon vor Jahrhunderten Schutz gefunden.

Am nächsten Tag treffe ich auf andere Pilger. Nun laufe ich nicht mehr immer allein. Doch wer nicht immer in sogenannten "Gîtes" übernachtet, hat weit weniger Kontakt, als andere. Mir ist es recht. Irgendwie schaffe ich es immer, einen Platz zum schlafen zu finden oder mich und eine Sachen zu waschen. Da es hier oben viel kühler ist, brauche ich mich gar nicht mehr so oft zu waschen. Dafür sind die Nächte nicht sehr angenehm. Eines Tages habe ich jedoch Glück. Ich komme in ein Dorf, mit einem dieser kleine Häuschen zum Brotbacken. Darin glühte noch Feuer und ich darf nachlegen und es mir bequem machen.

Da ich immernoch sehr lange schlafe und den Morgen langsam mit einpacken und frühstücken beginne, laufen täglich unzählige Pilger an mir vorbei. Abends hohle ich sie dann spätestens wieder ein. Meistens zu mindest. Andere Pilger, die den ganzen Weg laufen, jedoch weit weniger Gepäck als ich haben, da sie nicht biwakieren, laufen täglich etwa 40 Kilometer. Diese Distanz schaffe ich nur gelegentlich.

Die Landschaft des Zentralmassiv ist vielfältig. Man scheint mindestens drei Klimazonen zu durchlaufen. Oben ist es ganz karg und es gibt viele Kühe. Dann gelangt man durch ewig lange Eichenwälder mit Dolmen und zuletzt wird es ganz mediterran. Es heißt sicher nicht ganz zu Unrecht, dass es der schönste Abschnitt des Jakobsweges sei. Große Bauwerke findet man jedoch selten. Conques ist ein Touristenmagnet, obwohl es laut einer lokalen Frau nur 80 feste Einwohner hat. Das steinerne Dorf hat nicht nur eine beeindruckende Kirche, sondern auch eine Brücke, über die schon unzählige Pilger gegangen sind. Ganz ähnlich verhält es sich mit Cahors.

Am Vorabend eines weiteren Gewitters werde ich durch den Hinweis einer deutschen Pilgerin mit einer Französin bekannt, die ebenfalls vornehmlich draußen schläft. Als wir uns verabschieden, da sie witterungsbedint in einer Gîte übernachtet, sagt sie auf eine Weise, die mir zu verstehen gibt, dass sie es so wünscht, dass wir uns am nächsten Tag wiedersehen könnten. Am Abend finde ich einen regensicheren Platz und lese in den Apogryohen, bis es heftig gewittert. Vor Schreck bete ich zu Gott, dass mir nichts geschieht. Auch die Französin denkt an mich und als am Morgen wieder alles an mir vorbeizieht, ist sie schließlich dabei. Fast fünf Tage lang sind wir ständig bei einander. Mit einem Male war das eben so und wie es kam, endete es auch. Und plötzlich fehlt etwas. Und vorher war mir gar nicht so ganz klar, was das sein würde. Doch es erinnert mich unwillkürlich an die Bibel am Anfang der Genesis: "Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht." Man kann nicht bestreiten, dass das Alleinsein Vorzüge hat, doch eine gute Gefährtin ist etwas unheimlich kostbares - wenn man so will, ein Geschenk Gottes.

Glück auf - euer Bergkamerad Joe



Rheinüberquerung - 3. Eintrag vom 14.07.2019

Es war bereits der 6. Juli. Nach 33 Tagen seit Beginn meiner Reise gelangte ich nach Hartheim, dem letzten Ort vor der Rheinüberquerung (siehe Bild). In der Hitze der Mittagszeit habe ich den vorerst letzten Berg überschritten. Durch unzählige Reben hatte ich in das grosse Tal bis weit hinüber zu den Vogesen geblickt.

In Hartheim stand nun ein Fest an, welches am Abend eröffnet werden sollte. Wie durch Zufall kam ich mit Organisatoren des Festes ins Gespräch und so kam es, dass ich zur Eröffnungsansprache dem ganzen Dorf vorgestellt wurde. Ganz verlegen winkte ich aus der Menge.

Doch wie würde der Tag enden? Ehrlich gesagt, hatte ich es nicht besonders eilig, die nächste Grenze zu überschreiten. Ich würde mich wieder auf eine andere Kultur und Landschaft einstellen müssen. Und wie würde ich mich - ohne je Französisch gelernt zu haben - verständigen können? So beschloss ich, am 7. Juli einen Ruhetag zu halten, an dem ich meinen Rucksack neu sortieren, Wäsche waschen und duschen konnte. Wunderschön war der Blick aus dem riesigen flachen Tal zum oberen Schwarzwald. Mit dem goldenen Getreidefeld davor mutete diese Gegend wie eine italienische Landschaft an.

Am nächsten Tag sollte es dann in den Elsass gehen. Als ich den Rhein überquert hatte, musste ich erst einmal Straßen und später viele Kilometer monotonen geradlinigen Feldwegen folgen, doch dann ging es wunderschöne bewaldete Flüsse und Kanäle entlang. An der burgundischen Pforte endete das Tal, in welchem übrigens auch Braunkohle (siehe Bild) abgebaut wurde. Bald schon erreichte ich den letzten Ort im ehemals deutschsprachigen Raum. Dort befindet sich ein Benediktinerinnenkloster. Bei meinem Eintreffen gab es Mittagessen für eine Gruppe von Frauen, welche eine Woche lernten, orthodoxe Ikonen (siehe Bild: heilige Ottilie, Schutzpatronin des Elsass) zu malen. Nach einigem Zögern beschloss ich zu bleiben, da ein paar Bewohner deutsch sprachen. Im benachbarten Altenheim lernte ich eine 92jährige Elsässerin kennen. Sie erzählte, dass man zur Zeit der Annexion 1940 bis 1944 kein Wort französisch sprechen durfte. Heute lernen von den Kindern nur noch 2 von 10 Elsässisch.

Die nächste Station war Belfort, deren zum Teil fast 400 Jahre alten Festungsanlagen sehr beeindruckend sind (siehe Bilder). Im Deutsch-Französischen Krieg wurde die Stadt nicht besetzt. Obwohl dort viele Familiennamen deutsch sind, wird hier schon lange vornehmlich französisch gesprochen und so wurde dieser Teil des Elsass 1871 nicht annektiert.

Mittlerweile habe ich mich schon etwas in Frankreich eingelebt und auch ein paar französische Wörter und Sätze gelernt. Am Anfang war das beinahe einzige französische Wort, welches ich sprechen konnte "tampon" - Stempel. (In dieser Periode brauche ich also täglich ein Tampon. Na toll.)

Alles in allem ist es zwar etwas schwieriger als bisher doch das Land ist wirklich schön und die Menschen sind freundlich.



Tick Tack Tick Tack - 2. Eintrag vom 01.07.2019

Tick Tack Tick Tack - so klingen meine beiden Wanderstöcke, von denen einer klassisch aus Holz und der andere ein moderner Trekking-Stock ist.
Tick Tack Tick Tack. So geht es Tag für Tag, an dem ich nicht weiß, was mich erwarte. Die große Hitze habe ich gelernt zu ertragen und von Unwettern blieb ich bisher verschont.
Gott sei dank!

Und so laufe ich über viele Ländergrenzen hinweg und freue mich über die regionale kulturelle Vielfalt, welche dieser Tage noch in Deutschland besteht und sich an der Mundart äußert. Zu erst kam ich nach Oberfranken, wo man noch von "Labla" spricht, sind es in Mittelfranken "Weckla". Geht es dann ins schwäbisch Hallsche und württembergische, heißt es "Brötle" und "Weckle". Überrascht war ich von den klaren Dialektegrenzen denn von einem Dorf zum nächsten kann deutlich anders gesprochen werden. Doch nicht nur die Mundart, sondern auch die Bauweise von Kirchen und Wohnhäusern unterscheidet sich von Region zu Region ebenso wie die Forst- und Landwirtschaft.

Nach vier Wochen des Pilgerns frage ich mich schon manchmal, ob es nicht ziemlich verrückt ist, sich freiwillig dieser physischen und mentalen Belastung auszusetzen und doch bestand für mich nie der Zweifel, dass ich mein Ziel erreichen würde, denn ich habe mich schließlich fest dazu entschieden.

Und was ist am Pilgern belastend? Für mich ist es vor allem die Einsamkeit. Zwar treffe ich immer wieder liebe Menschen und habe eine schöne Zeit mit ihnen, doch schon nach einem oder zwei Tagen heißt es Abschied nehmen. Die Bedeutung fester soziale Bindungen ist nicht zu unterschätzen, für den, der sie immer hat jedoch leider oft selbstverständlich.

Doch im Herzen bleibe ich immer mit der Heimat verbunden. So las ich unterwegs den Spruch: Zuhause bin ich da, wo ich bleib', wenn ich geh. Während ich nun also in der Ferne bin, bleibt doch ein Teil von mir bei euch. Aus dem Schwarzwald grüßt Bergbruder Jacob.


Tübingen


Kloster Bebenhausen

Bergbauspuren im Schwarzwald

GLÜCK AUF !!!


Ein Pilger auf Wallfahrt - 1. Eintrag vom 12.06.2019

Liebe Knappschaft, nun bin ich bereits seit einer Woche auf dem Weg und habe so viel erlebt, ohne viele Kilometer zurück zu legen. In Sachsen war das Wandern noch eine ziemliche Qual. Das Gepäck war einfach zu schwer und ich erleichterte mich in Plauen ein wenig, indem ich unter anderem einen leichteren Schlafsack kaufte. Jetzt wiegt mein Rucksack 13,5 kg. All diese Details möchte ich jedoch nun beiseite lassen und euch stattdessen eine einzelne Passage erzählen.
Nachdem ich mich in Helmbrechts schon richtig zu Hause gefühlt hatte, da ich als erstes dem Bürgermeister vorgestellt wurde, dann eine Unterkunft bekam, darauf an einer Chorprobe teilnahm und am nächsten Morgen in einen Literaturcafé sogar noch zum Frühstück eingeladen wurde, ging es gestärkt weiter.

Schon am Vorabend hatte ich vom Wallfahrtsort Marienweiher gehört, der zu Pfingsten ein beliebtes Ziel sei und schließlich traf ich auch auf sogenannte Wallfahrerinnen, denen ich mich anschloss. An diesem Samstag, so wurde mir erzählt, liefen aus verschiedenen Richtungen Gruppen zwischen 45 und 70km zu einer päpstlichen Basilika in einem kleinen Dorf. Wallen ist nicht pilgern, denn es findet nicht über einen langen Zeitraum statt.

Nun hatte ich erst etwa 17 km zurückgelegt und eigentlich wollte ich nach so kurzer Strecke nicht verweilen, doch dieses Ereignis sollte mir (und damit euch) nicht entgehen. Als wir in Marienweiher ankamen, waren noch längst nicht alle Wallfahrer da. Ich suchte im Klosterbau nach einem Stempel für meinen Pilgerausweis und fragte nach einer Unterkunft. Ein Mönch schaute kurz in den Raum hinter sich und fragte, ob es auch höher gelegen sein könne. Warum nicht? So erhielt ich den letzten Schlafplatz und damit auch noch den höchsten! Im Saal ruhten sich die Wallfahrer schon aus und schliefen sogar. Da ging ich zum Speisen in eines der drei Wirtshäuser und setzte mich zu einer älteren Dame, die mir erzählte, dass hier frühe sehr viel mehr los gewesen sei. Damals kamen Reisebusse und auch vor der Basilika lauschten hunderte der Predigt. Es gab mehr Stände usw. Jetzt hielt es sich dagegen in Grenzen.

Zurück bei den erschöpften Wallfahrern im Schlafsaal, wartete ich auf den Beginn der heiligen Messe. Da kam der Bamberger Bischof den Gang entlang und sagte in väterlichem Ton: "Na, habt ihr euch gut ausgeruht." Mich grüßend gab mir die Hand. "Grüß Gott!"

In der Basilika fand ich am Ende leider keinen Sitzplatz mehr. Nach den Wanderungen der letzten Tage waren meine Kniegelenke strapaziert und ich verlagerte das Gewicht immer wieder vom einen zum anderen Knie. Nun bahnte sich ein streng geregeltes Ritual an, das mir doch sehr befremdlich erscheinen musste. Die Fahnenträger verließen die Basilika durch das Portal und ein wenig später mit dem Bischof und den Mönchen bzw. Patres (darunter übrigens ein Pole und ein Inder) zurück zu kehren. Das gesamte Programm mit vielen Gesängen, Gebeten usw. dauerte fast drei Stunden. Interessant war dabei vor allem die Prozession durch den Ort, denn unsere Bergparaden haben in solchen Prozessionen sicher auch einen Ursprung. Mit Blasmusik, Fahnen und Standarten, die aber ganz aus Holz waren, (wie nennt sich das?) zog eine große Menschenmenge mit Kerzen in den Händen durch den Ort. Dabei wiederholte sich permanent das Ave Maria, was ich am Ende selbst schon mitzurufen begann.

Als in der Basilika ein Chor gesungen hatte, war es schon richtig dunkel und es ging auf die Wirtshäuser zu. Ein Wallfahrer nahm mich mit. Er hatte bemerkt, dass ich Pilger bin. Seine frommen Empfindungen konnte ich irgendwie nicht teilen. So erzählte er, er habe einen 85 Gramm schweren Stein aus der Heimat mit nach Spanien genommen, nachdem er auf diesen all seine Sorgen und seinen Kummer gelegt hatte. Am Jakobsweg gibt es einen Berg, wo man solche Steine ablegt. Er sagte in voller Überzeugung, sein Rucksack sei danach 5 kg leichter gewesen. Nunja, im Wirtshaus wurde ordentlich gesungenen. Es klang gut, aber ich kannte die Lieder nicht. Gegessen und getrunken wurde natürlich auch, aber lange blieben wir nicht. Zurück im Schlafsaal war ich dort der letzte. Auch wenn andere Wallfahrer durchzechen, diese hier standen am nächsten Tag schon um 4 auf, denn jede Wallfahrer-Gruppe hatte eine bestimmte Zeit, um zu starten, damit jeder die sanitären Einrichtungen nutzen und in der freiwilligen Feuerwehr frühstücken konnte.

Und das war der Tag an dem ich einen Bischof die Hand geben durfte.

Aus Franken grüßt euch, Joe.

Neu im Programm! - Schachtgeflimmer

Neben den beliebten und alljährlichen Stammtischen haben wir uns - Bergkamerad Joe Jacob sei hier genannt - etwas Neues einfallen lassen.

Am 2. April und am 1. Oktober wird es jeweils ab 18:00 Uhr ein Schachtgeflimmer geben.
Dort zeigen wir alte historische Filmaufnahmen über verschiedene Themen des sächsichen Steinkohlenbergbaus.

  • 2. April: Bergarbeit zur Kaiserzeit
  • 1. Oktober: Zwickauer Koks

Hier werden Filme gezeigt, welche man auch auf youtube nicht zu sehen bekommt. Also auch für dem Steinkohlenbergbau nicht so nahestehenden Menschen, interessante Filmdokumente aus der Heimat früherer Zeiten...

Wir laden ein - zur nächsten Veranstaltung

Ferienprogramm: Gespensterjäger - Auf eisiger Spur

Oktober 16 Mittwoch
Kinofilm für Kinder ab 5 Jahre
Die Veranstaltung beginnt um 1000 und endet gegen 1200.

Geleuchtsammlung Friemann & Wolf

Glück auf zur Schicht!
Das beste Licht beschütze Dich!

Wir sind stolz, einer der anerkannt bedeutendsten Sammlungen von historischem bergmännischen Geleucht der Firma Friemann & Wolf aus der Frühzeit bis zu ihrem Übergang in einen volkseigenen Betrieb eine Heimstatt zu geben.

Im Bild sehen Sie die sogenannte JUBILÄUMSLAMPE in Aluminiumausführung. Sie wurde bei Fertigung der 1.500000. Wolf’schen Sicherheitslampe dem Leiter der Firma Friemann & Wolf, Fabrikbesitzer Paul Wolf, am 28. März 1914 überreicht. Auf dem Gestelldeckel trägt sie die Orte der Zweigwerke, auf dem oberen Gestellring die Orte mit Handelsniederlassungen eingraviert.

Zur Geleucht-Sammlung

AG Bergbau- & Gästeführer

Die Knappschaft arbeitet eng mit den Bergbau- & Gästeführern Oelsnitz zusammen.
Diese bietet zahlreiche Wanderungen, Parkführungen, Veranstaltungen und ein grünes Klassenzimmer an.

Näheres zu unseren Angeboten und Terminen

Höhepunkte 2019

Sehens- und Wissenswertes

Wir möchten Ihnen die Arbeit, Vorhaben und Aktivitäten unseres Vereins vorstellen. Erfahren Sie Interessantes zu den Paradeuniformen unserer Habitträger, dem Bergbaulehrpfad oder zur Sächsischen Kohlenstraße
Lesenswertes gibt es in der Bücherecke und Sehenswertes in der Geleucht-Austellung.

Anzeigefehler Anzeigefehler
1
2
3
4
5

In eigener Sache

Wir freuen uns natürlich immer über die Erweiterung unseres Bekanntheitsgrades.
Wer uns dabei unterstützen möchte, kann dies unter anderem mit diesen, zu einem Unkostenbeitrag von ca. 5 EUR, Nummernschildverstärkern tun ;-)

Bei Interesse rufen Sie mich einfach unter 0151/72691914 an.
Vielen Dank und Glück Auf
Bergkamerad Andreas Lange